Sensei Jörg Kohl trainiert Karate seit 1975. Er ist derzeit 1. Vorsitzender beim SV Tora Berlin e. V. und gleichfalls als Trainer im Verein tätig. Beim Verband Shotokan Ryu in Deutschland e. V. ist er Vize-Präsident. Wir haben in der Vereinsgeschäftsstelle mit ihm über seine Ziele und Motivation gesprochen. Dies ist Teil 2 des Interviews, Teil 1 finden Sie hier.
Was ist ihr persönlicher Antrieb, einen großen Karate-Verein zu führen?
Als Kind habe ich mit dem Fußballsport beim 1. FC Union Berlin begonnen, danach kam ich zu Judo und dadurch zum Karate. Auch heute betreibe ich gerne andere Sportarten, wie Skilaufen, Tischtennis etc. Philosophische, geistige und körperliche Eigenschaften, die durch das Karatetraining unterrichtet werden, können eins zu eins im Alltag angewandt werden. Durch hartes Training wird ein starker Wille, Achtung und Respekt vor anderen Menschen sowie körperliche Gesundheit geschult. Diese Eigenschaften werden automatisch in das normale Leben übertragen, womit der Karateka im Alltag für sich selbst und andere Menschen eine bessere Lebensqualität aufbaut. Da in der heutigen Zeit vielen Kindern und Jugendlichen bestimmte Werte nicht mehr vermittelt werden, ist es die Aufgabe der Instuktoren und Trainer im Verein diese Werte zu vermitteln. Gleichfalls entsteht die Integration aller kulturellen Schichten – denn Sport verbindet.
Vor Kurzem waren Sie bei der Karate Europameisterschaft in Portugal. Was ist ihr Fazit von diesem Wettkampf?
Zunächst muss ich feststellen, dass es einen Unterschied gibt, zwischen dem Wettkampf im Karate, der sportlichen Ebene, und dem Karate Do als Lebensweg. Beim Wettkampf zählt immer nur der erste Platz, der Zweite ist bereits der Verlierer. Im Karate Do geht es um die persönliche Entwicklung des Menschen und die Verbesserung seiner Fähigkeiten, wie zum Beispiel Reaktion, Kraft, Ausdauer, Geschicklichkeit, Balance, etc. Aus sportlicher Hinsicht war der Wettkampf auf einem sehr hohen Level. Da wir im Verein und Verband uns an Wettkämpfen beteiligen, ist es ein jährlicher Vergleich, wie die Arbeit der Trainer im Trainingsbetrieb und die Entwicklung der Wettkämpfer auf internationalem Niveau umgesetzt wird. Durch gute Wettkämpfe wird Karate mehr öffentliche Aufmerksamkeit erlangen und kann somit den einen oder anderen begeistern, mit Karate zu beginnen. Auf Europa- und Weltebene ist es deutlich zu spüren, dass es keine Grenzen zwischen verschiedenen Kulturen gibt und die Menschen lachend und ungezwungen miteinander umgehen.
Was sind die täglichen Herausforderungen, denen Sie sich als Vereinsleiter stellen müssen?
Die wichtigste Herausforderung ist es, seine ehrenamtlichen sowie hauptberuflichen Mitstreitern die Motivation zu geben, für den Verein die eigene Energie und Zeit bereitzustellen. Mit Hilfe des gesamten Teams muss die Vereinsstruktur, Organisation von Veranstaltungen, sowie der tägliche Trainingsbetrieb ständig überprüft und verbessert werden. Die Hauptaufgabe dieser Leitung und Überprüfung obliegt dem Vorstand unseres Vereins.
Der SV Tora Berlin e. V. hat einen großen Wandel hinter sich. Von einem reine Karate-Verein bieten Sie nun auch Gymnastik und Tanz an. Wird es zukünftig weitere Sportarten geben, die der Verein anbietet?
Nein. Grundsätzlich wäre es möglich andere Sportarten in unseren Verein zu integrieren. Gymnastik und Tanzen sehen wir genauso wie Karate als ein wertvolles Instrument an, um körperliche Wahrnehmungen sowie die Stabilisierung und Verbesserung der Gesundheit zu fördern. Karate setzt sich aus drei Säulen zusammen: Kihon, Kata und Kumite. Unser Verein besteht ebenfalls aus drei Säulen: Karate, Gymnastik und Tanzen. Der organisatorische Aufwand ist sehr groß, so dass wir täglich daran arbeiten müssen, unser Niveau zu halten und zu steigern. Im Karate können wir uns auch täglich im Kihon, in der Kata und im Kumite verbessern.
Der dritte und damit abschließende Teil des Interviews wird am Dienstag, den 4. Mai 2010 veröffentlicht.

